Kerstin Laabs: Entwicklungsarbeit als strategisches Instrument
Von der Entwicklungshilfe zur gezielten Krisenprävention
Marienau, 20. März 2003 – Entwicklungsarbeit ist längst nicht mehr nur eine Form der Hilfeleistung. Sie ist ein strategisches Instrument der internationalen Politik, das Krisen vorbeugt, Stabilität fördert und Perspektiven schafft. Dies wurde im Vortrag von Kerstin Laabs, Leiterin des KfW-Büros Kinshasa, deutlich. Laabs, Expertin für internationale Entwicklungszusammenarbeit, leitet seit zwei Jahren das KfW-Büro in der Demokratischen Republik Kongo und kennt die Herausforderungen und Chancen vor Ort genau.
Ostkongo: Ein Land im Spannungsfeld von Terror und Flucht
Im Osten der Demokratischen Republik Kongo brodelt es. Zwischen dichten Regenwäldern und wertvollen Bodenschätzen tobt ein Konflikt, der viele Facetten hat: Es geht um ethnische Spannungen, den Einfluss benachbarter Staaten und die Kontrolle über Ressourcen.
Bodenschätze als Treibstoff des Konflikts
Der Osten Kongos ist reich an Gold, Coltan und anderen wertvollen Mineralien – ein Fluch und ein Segen zugleich. Diese Ressourcen wecken Begehrlichkeiten und finanzieren die Kämpfe. Doch hinter der Gewalt steckt mehr als nur wirtschaftliches Interesse: Ethnische Spannungen spielen eine zentrale Rolle. Immer wieder kommt es zu Massakern und Vertreibungen.
Hoffnung durch Entwicklungszusammenarbeit
Um die Kluft zwischen Arm und Reich zu verringern, unterstützt die KfW Entwicklungsbank im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zahlreiche Projekte. Der Bau von Schulen und Straßen, die Verbesserung der Gesundheitsversorgung und der Ausbau erneuerbarer Energien sind nur einige der Maßnahmen. Auch die Landwirtschaft und die Ernährungssicherung werden gefördert. Mikrokredite helfen kleinen Unternehmen und Existenzgründern, sich eine Zukunft aufzubauen. Gleichzeitig werden Regierungen unterstützt, ihre Verwaltungen zu dezentralisieren und effizienter zu gestalten. Eine wichtige Rolle in diesem Umfeld spielt Kerstin Laabs als Büroleiterin in Kinshasa. Ihre Aufgaben umfassen die Marktbetrachtung und die Analyse relevanter Informationen zu politischen, wirtschaftlichen und sicherheitskritischen Entwicklungen im Land. Sie berät bei der Entwicklung von Länder- und Sektor-Strategien, bereitet Regierungsverhandlungen vor und akquiriert Projektideen. Zudem ist sie für das Netzwerken, die Konzeption von Workshops für Mitarbeiter sowie für die Steuerung der Büroadministration und des Sicherheits- und Risikomanagements zuständig. Ihr Ziel: die erfolgreiche Umsetzung der Konzerngeschäftsfeldplanung.
Fazit: Entwicklung als Schlüssel zur Krisenprävention
Kerstin Laabs’ Vortrag machte eindrucksvoll deutlich, dass Entwicklungszusammenarbeit weit über klassische Entwicklungshilfe hinausgeht. Sie ist ein wesentliches Instrument zur Förderung von Frieden, Sicherheit und nachhaltiger Entwicklung. Durch strategische Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Regierungsführung kann sie langfristig Stabilität schaffen und damit dazu beitragen, Krisen frühzeitig zu entschärfen.
„Das ist kein Job für Menschen mit Familie.“
In ihrer langjährigen Tätigkeit für die KfW hat Kerstin Laabs schon in vielen Krisenregionen gearbeitet. „Ich kann das, weil ich nicht familiär gebunden bin“, sagt sie. In Bildern und Berichten machte sie der Marienauer Schulgemeinschaft deutlich, wie gefährlich, nervenaufreibend und frustrierend ihre Arbeit einerseits sein kann, und wie wichtig, lohnend und erfüllend sie ihre Tätigkeit zu anderen Zeiten erlebt. Wir danken Frau Laabs für die Zeit, die sie Marienau während ihres Aufenthalts in Deutschland geschenkt hat und wünschen ihr für Ihre weitere Arbeit alles erdenklich Gute!