Stolpersteine für die Schulgründer
Am 4. November 2026 fand in Marienau die Stolpersteinverlegung für Gertrud und Max Bondy statt.
Die Sonne schien, ein leichter Wind wehte über den Platz, und um 13 Uhr setzte der Künstler Gunter Demnig zwei kleine Messingsteine in das Pflaster. Leise gespielte Klänge von Klavier und Violine begleiteten die Verlegung. Alle Schülerinnen und Schüler und alle Mitarbeitenden waren dabei. Für alle Anwesenden war dieser Augenblick sehr ergreifend.
Die Schulgründer Gertrud und Max Bondy
Dr. Gertrud Bondy und Dr. Max Bondy gründeten 1923 in Gandersheim eine kleine Schulgemeinde. 1929 zog sie auf das Gut Marienau, und dort wurde sie zu einem der kühnsten Schulversuche ihrer Zeit.
Dann wurde die Zeit dunkel. Den zunehmenden Diskriminierungen im Nationalsozialismus konnte die Familie nur durch Emigration entkommen.
Gertrud Bondy verließ Marienau 1936 in Richtung Schweiz, Max Bondy folgte im April 1937. Im März 1939 flohen sie in die USA und gründeten kurze Zeit später eine neue Schule, die Windsor Mountain School.
Worte, die uns heute erreichen
Die Schüler Yeke, Stella und Julius lasen Auszüge aus Reden und Briefen von Max Bondy vor. Jeden Tag vor Schulbeginn hielt Max Bondy an der Stelle, wo jetzt die Steine verlegt wurden, eine Morgenansprache. Aus seiner Abschiedsrede an die Abiturientinnen und Abiturienten von 1937 stammt dieser Satz:
„Seid innerlich jung und bleibt es so lange als möglich, allen Widerständen zum Trotz.“
In einem Brief aus dem Schweizer Exil, 1938 an die Marienauer Schulgemeinschaft zum alljährlichen Pfingsttreffen gerichtet, mahnt er zur Treue zu den gemeinsamen Werten:
„Ihr müsst sie halten, um Eurer selbst willen, um des deutschen Menschen willen, um der Schönheit der Welt willen.“
Eine Initiative von Schülerinnen und Schülern
Die Verlegung wurde von Marienauer Schülerinnen und Schülern initiiert und vorbereitet. Sie recherchierten die Geschichte der Familie Bondy und nahmen Kontakt zu Gunter Demnig auf, der seit über drei Jahrzehnten Stolpersteine verlegt. Eine solche Recherche verlangt Zeit, Geduld und den Mut zum Nachfragen.
Begleitet wurde das Projekt von Sarah Deseniß (Lehrkraft und UNESCO-Beauftragte) und Alexander Greiffenstern (Geschichtslehrer und Archivar).
Verantwortung, nicht Schuld
Schulleiter Lars Humrich erinnerte in seiner Ansprache an die Geschichte Marienaus und an die Bedeutung der Bondys, die in der dunkelsten Zeit Deutschlands fliehen mussten. Er sagte:
„Wenn wir uns heute an die Vertreibung unserer Schulgründer und an diese dunkle, menschenverachtende Zeit voller Verbrechen erinnern, dann nicht aus Schuld, sondern weil es wichtig ist, dass wir Verantwortung übernehmen, damit sich solche Zeiten in Marienau, in Deutschland und in Europa nicht wiederholen."
Rosen für Gertrud und Max Bondy
Nach der Verlegung legten Schülerinnen und Schüler Rosen an den Stolpersteinen nieder. Unter den Gästen waren Maximilian Lütgens von der KZ-Gedenkstätte Dachau und Uta Kraake, Bürgermeisterin der Samtgemeinde Dahlenburg, beide selbst Altmarienauer.
Die Verlegung der Stolpersteine ist auch auf unserem YouTube-Kanal zu sehen: Video